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Fangio, Grand Prix in Monaco 1955

Fangio, Grand Prix in Monaco 1955

So enge Kurven zwischen Steinmauern, das gibt es nur in Monaco, – und ‘Campionissimo’ Juan Manuel Fangio im Mercedes verschenkt keinen Zentimeter. Sein Team hat hier, 1955, beste Erfolgschancen: Bei der Rückkehr der Silberpfeile in den Formelrennsport hatte der Argentinier im Vorjahr mit großem Abstand den Welttitel geholt, seinen zweiten von fünf zwischen 1951 und 1957.

Die Veranstaltung im Riviera-Fürstentum, die sich sogar „Grand Prix d’Europe“ nennen darf, wird mit Spannung erwartet. Alle bekannten Rennställe treten an: neben Mercedes die italienischen Ferrari, Maserati und Lancia, die französischen Gordini und die Vanwall aus England. Von Cooper, Lotus oder McLaren spricht noch niemand. Allerdings hat die Mannschaft um Rennleiter Neubauer gleich einen Rückschlag zu verkraften: Am ersten Trainingstag verunglückt der Junior im Team, Hans Herrmann, so schwer, dass er bis zum Ende der Saison pausieren muss. Da auch Stammfahrer Karl Kling nach einem Unfall bei der Mille Miglia noch nicht einsatzfähig ist, braucht man schnell Ersatz. So erhält den Trainingswagen der Franzose André Simon: Zum Missfallen der heimischen Presse tritt Mercedes erstmals ohne einen deutschen Fahrer an. Dafür stehen Fangio und sein Kollege Stirling Moss in der ersten Startreihe und rahmen dort ihren schärfsten Konkurrenten ein – Alberto Ascari, Weltmeister von 1952 und 1953, auf dem wendigen Lancia D50. 100 Runden im Kurvenkarussell stehen ihnen bevor.

Schon früh können sich die beiden silbernen Wagen vom Feld absetzen. Dass Simon nach 25 Runden ausfällt, ist noch kein Anlass zu Beunruhigung. Dann aber die erste Überraschung: Fangio muss nach genau der Hälfte des Rennens sein Gefährt an der Bahnhofskurve (= die auf dem Bild) abstellen. Kann jetzt der junge Engländer seinen ersten GP-Sieg einfahren? Doch wenig später überschlagen sich die Ereignisse: In Runde 81 rollt Moss mit rauchendem Motor an die Boxen – Schluss! Alle drei Silberpfeile aus dem Rennen! Dadurch liegt jetzt Ascari in Führung, aber in der Schikane am Hafen kommt er ins Schleudern – Öl aus dem Motor von Moss? -, rammt die Streckenbegrenzung und wird mit dem Wagen ins Meer katapultiert. Er kann selbst auftauchen, Rettungsschwimmer helfen ihm, er ist nur geringfügig verletzt. So kommt ein Fahrer an die Spitze und zum Sieg, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Maurice Trintignant auf Ferrari. Diesmal wurde gleichmäßiges Fahren belohnt.

An der prinzipiellen Überlegenheit der Mercedes änderte das nichts: Ein 50-Pfennig-Scheibchen im Motor hatte seine Funktion nicht erfüllt und die silbernen Boliden zum Stehen gebracht.  Folgebilanz: drei Doppelsiege und sogar ein Vierfacherfolg (Aintree/GB), Fangio wieder Weltmeister.

Doch es sollte kein gutes Jahr für der Motorsport werden: Ascari verunglückte wenige Tage nach dem Monaco-Rennen bei Probefahrten in Monza, und die Katastrophe von Le Mans forderte fast hundert Todesopfer.

 

Text: Bernhard Völker

 

Fangio, Grand Prix in Monaco 1955

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