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Der letzte Saurier

Der letzte Saurier

Welcher Bolide donnert hier über den Zement? Sieht irgendwie italienisch aus: Alfa, Ferrari, Maserati? Wer da zögert, muss sich nicht den Auto-Ahnungslosen zurechnen. Schon mit dem Tipp „frühe Nachkriegszeit“ läge man genau richtig. In Aktion ist hier ein Einzelstück, entworfen für den Stuttgarter Egon Brütsch (1904-1988) durch den Ingenieur Georg Westenrieder.  Ein langes Maserati-Chassis wird mit einem bulligen Motor aus dem gleichen Haus bestückt:  6C/34; 3,7 Liter mit Kompressor. Den hatte Brütsch von dem Rennfahrer und später so erfolgreichen Verleger Paul Pietsch (Auto, Motor u. Sport …) erworben: der Rest des Wagens, mit dem dieser 1937 in Brünn verunglückt war. So entsteht ein „Westenrieder-Maserati“, nach Eigentümer und Wohnort auch als „EBS-Maserati“ an den Start gebracht.

Der Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten  für Damenstrümpfe verfügt in diesen allgemein so mageren Jahren über einen soliden finanziellen Hintergrund. 1948 und 1949 tritt er mit seinem Monoposto bei Rennen an, die damals hohen Publikumszuspruch fanden, aber heute meist nur noch Spezialisten bekannt sind:  Also neben Hockenheim, Solitude und Schauinsland auch Kölner Kurs, Karlsruher Dreieck, Aachener Wald oder Rund um Schotten. Auf dem Bild ist er mit seinem optisch wie akustisch eindrucksvollen Gefährt unterwegs beim Flugplatzrennen in München-Riem (Juni 1949). Ältere Stuttgarter erinnern sich noch, dass er seine Rakete auf offener Straße erprobte und z.B. von Heslach zum Schloss Solitude hinauf donnerte. Niemand störte sich daran, auch die Ordnungshüter nicht.

Allerdings hatte er ein Problem, das sich zunehmend verschärfte: Sein Gefährt entsprach keinem der damaligen Rennreglements. Seit 1947 galt die Formel 1 (1,5 L mit und 4,5 L ohne Kompressor) – nicht erst ab 1950, wie immer wieder zu lesen ist; in diesem Jahr begann lediglich die Fahrerweltmeisterschaft. Daneben führte die FIA ab 1948 eine Formel 2 ein (2 L mit Saugmotor), auf die man sich in West- wie Ostdeutschland orientierte, durch Weiterentwicklung des BMW-Sportwagens 328. Die Konstruktionen Veritas und AFM beherrschten die Szene. So konnte Brütsch nur in der Kategorie ‘Formelfrei’ antreten. Aber 1949 war er bereits bei mehreren Veranstaltungen in dieser Gruppe der einzige Konkurrent. Die Verantwortlichen ließen ihn daher zusammen mit den F 2-Wagen starten, die ihn dann mehrfach abhängten: Der Kraftprotz war einfach zu lang und zu schwer.

Danach gab der Unternehmer den Rennsport auf und versuchte sich an der Entwicklung von Klein- und Kleinstfahrzeugen, deren Maße schon über die Bezeichnungen zu erahnen sind: Spatz, Zwerg, Mopetta … Alles Misserfolge, mit denen er viel Geld verbrennt. Und das Westenrieder-“Schlachtschiff“, wie es seinerzeit in der Szene auch bezeichnet wurde? Es steht heute, umfassend restauriert, im Imperial Palace Auto Museum in Las Vegas.

Text: Bernhard Völker

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